Keramik



 



Tatinger-Kanne
Birka, Schweden, 9./10.Jh., Grab 597
Diese hier hat  die charakteristischen, geometrischen Verzierungen  aus Zinnfolie
der schwarzen Oberfläche.
Bild: SHM-Bild


Tatinger Ware


Eine außergewöhnliche Keramik des Frühmmittelalters ist die sog. "Tatinger Ware", früher auch "friesische Kanne". Charakteristisch für diese fein gemagerte Kermaik ist geglättete, schwarze Oberfläche, die  mit horizontalkreuzenden Linien, die mit Zinnfolienauflagen in horizontalkreuzenden Linien und  langgestreckten Dreiecken verziert ist. Darüber hinaus ist als weiteres Zierelement auf vielen Kannen unterhalb des Knicks Kreuz(e) in Zinnfolie angebracht. Jedoch wurden auch Kannen ohne die Zinnfolienauflagen gefunden, z.B. Dorestadt und Haithabu.
Neben der schwarzen, graphitierten Oberfläche  fand man auch graue oder braune Varianten.
Die häufigste und bekannteste Gefäßform der Tatinger Ware ist die Kanne mit Ausgußtülle und Bandhenkel.

Grabfunde, v.a. Birka,  in Kombination mit Trinkgläsern festigen die Intertpretation als Trinkgeschirr. Die meisten Funde stammen aus Handelssiedlungen , wie Birka, Dorestadt, Haithabu und werden anhand der Grabinventars , z.b. In Birka, der höherstehenden Bevölkerung zugerechnet.
Ihr Herstellungsgebiet befand sich vermutlich am Niederrhein,sie dienten vermutlich als Behälter für Import-Wein oder als Luxus-Trinkgeschirr.
Bisher ist man davon ausgegangen, dass die Verzierung, die  als Bemalung interpretiert wurde entweder als Auftrag weißer Tonmasse oder als Reste von dickschichtiger Bemalung herrührt.
Die Verzierung der Kanne von Bj 854 wurde spektrographisch analysiert und man konnte die weißliche Verzierung als Zinn bestimmen.  Laut W. Janssen  kann man die Verzierungen auch als Reste einer Bemalung auffassen, die die Zinnfolie bzw. Metallauflagen imitieren soll. Ohne genaue Analysen der Verzierungen könnte es auch zu Fehldeutungen der Zinnfolienrückständen als Reste weißer Bemalung kommen.
Schön beschrieben und zusammengefasst ist die Tatinger Ware im Handbuch zur mittelalterlichen Keramik in Nordeuropa, Lüdtke/Schoetzel, 2001.




Slawische Keramik
Im Frühmittelalter herrschte in Osteuropa eine relativ einheitliche Keramik vor, die einheitl. als slawische Keramik bezeichnet wird.
Diese Keramik fand auch im Laufe des Früh- und Hochmittelalters bei den Balten und Skandinaviern Eingang und verdrängte teilweise dort die einheimische Keramik gebietsweise völlig.
In Skandinavien erscheint die slawische Keramik in der Vendelzeit und bleibt bis ins 11. Jh. hinein  faßbar. Man fertigte zwar in Nordeuropa selber einheimische Keramik an, die aber an die Qualität der slawischen Keramik nicht erreichte. In Norwegen gab es aufgrund der Geographie des Landes keine eigene Keramikproduktion, so daß man dort nur Importkeramik fand..
In Birka liegt der Anteil der slawischen Keramik bei 25 %, in Haithabu macht sie mehr als 15 % aus.
Innerhalb der slawischen Ware dominiert in Birka der "Menkendorfer Typ" (s.u.).
Man vermutet aufgrund der Häufigkeit der Funde in den Handelssiedlungen, daß die meisten Gefäße als Handelsgut oder als Behälter für Handelswarein den Norden gelangten.

Slawische Keramik "Typ Menkendorf"
Die Formengruppe "Typ Menkendorf", benannt nach einem slawischen Ringwall in Mecklenburg, faßt die Gefäße der mittelslawischen Periode,des 10. Jh,  zusammen.
Typisch für diesen Formenkreis ist die nach dem "Knick" oben nachgedrehte, 
verzierte Ware. 
Diese sog. Doppelkonische Ware, auch "Knickwandkermaik, ist in dieser Zeit besonders zahlreich vertreten gewesen.
Der Typ Menkendorf ist in ganz Nordeuropa vertreten und ist in Birka im 10. Jh. von der Fundlage faßbar.

Verzierungen:
Die sog. "Kammstrichware",d.h. die Muster wurden mit einem mehrzinkigen Kamm eingezogen, ist teilweise auch mit Stempelmuster verziert, die sich an karolingische Formen anlehnen. Die Verzierungen im oberen Berecih  zeigen meist Strich- oder Stempelverzierungen. 

In Birka fand man diese Keramikformen in zahlreichen Gräbern. (z.B. 214,420,,456)

Slawische Keramik "Typ Groß Raden", Trelleborg
Doppelkonische Töpfe mit tieferliegenden Umbruch faßte man als Typ "Groß Raden" zusammen, benannt nach dem  slawischen Burgwall in Mecklenburg. 
Die Verbreitung deckt sich mit dem Menkendorfer Formenkreis.
(Funde dieses Formekreis in Lund, Trelleborg, Haithabu)



Kumpf,
Birka Grab 598





Kumpf
Birka, Grab 914
Slawische Keramik " Typ Fresendorf", für den die die flachen Wellenbänder charakteristsich sind.
In Birka ist dieser Typ im 9. u. 10. Jh. faßbar und  ist neben der Menkendorfer Ware der dominierende slawische Keramik-Typ.

 











Trinkbecher
Birka Grab 971
Birka
Schale Grab 98
Birka
Trinkbecher Grab 10

Kanne mit Rollstempelverzierung,  rheinländische Drehscheibenware  (Gr. 1137, 369, Grabung Seton 463:2)

Benutzte und vertiefende Literatur: 
Arwidsson: Birka II:1-Systematische Analysen der Gräberfunde, 1984
Handbuch zur mittelalterlichen Keramik in Nordeuropa, Lüdtke/Schoetzel, 2001
Selling: Wikingerzeitliche und frühzeitliche Keramik in Schweden, 1951